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Traditionelle Hochzeitsbräuche – Top oder Flop?

HochzeitsbräucheReiswerfen, Spalierstehen, Seilspannen, Holzstammsägen, Brautstraußwerfen – es gibt etliche Hochzeitsbräuche, die dem frischvermählten Ehepaar Glück und Segen bringen sollen. Uralte Mythen und Weisheiten ranken sich um diese Brauchtümer, die bis ins heutige Zeitalter überlebt haben.

Auch wenn viele meinen, dass das Image der Hochzeitsbräuche ziemlich angestaubt ist und langsam in die Mottenkiste gehört, ist es andererseits doch ganz adrett, etwas Tradition zu bewahren und einige Bräuche fest in die Hochzeitszeremonie einzubinden. Wenn Sie wissen, welche Bedeutung hinter den verschiedenen Bräuchen steckt, dann können Sie die Überlieferungen anwenden, die Ihnen besonders wichtig erscheinen oder die Sie persönlich am schönsten finden. Wir bringen hier für Sie etwas Licht ins Dunkle.

Brautschuhe mit Pfennigen bezahlen

Genau genommen müsste man „dem Kind einen anderen Namen geben“, denn der Pfennig gehört ja nun mit Einführung des Euro der Vergangenheit an. Demnach würde der Cent anstelle des Pfennigs als Zahlungsmittel fungieren. Doch wohl kaum ein Schuh-, bzw. Brautmodengeschäft wäre von diesem Brauch erbaut ... Damals sparten viele Mädchen bereits im Schulalter jeden einzigen Pfennig, um sich später davon ihre Brautschuhe kaufen zu können. Das Pfennigsammeln für den Brautschuhkauf galt als Beweis, dass die Braut auch zukünftig sparsam mit dem gemeinsamen Geld umgehen würde. Ob dieser Brauch nachahmungswürdig ist, bleibt dahingestellt. Da hört sich doch die Alternative „Pfennig im Brautschuh“ viel verlockender an. Hier heißt es: Versteckt die Braut einen Pfennig, bzw. einen Cent in ihrem Schuh, dann wird dem Ehepaar nie das Geld ausgehen.

Die verschleierte Braut

Schon in der Antike trugen die römischen Bräute einen Schleier. Er sollte sie vor den Blicken fremder Männer, böser Geister und insbesondere vor denen des Teufels schützen. Auch die Germanen sahen den Brautschleier als Schutzschild an. Sie befürchteten, Dämonen könnten sonst durch Ohren und Nase in den Körper der Braut hineinschlüpfen. Im Christentum symbolisierte der Schleier zudem die Jungfräulichkeit der Braut. Sie merken schon – dieser Glaube ist, zumindest in der westlichen Welt, ziemlich altertümlich. Wenn die Braut heutzutage einen Schleier trägt, dann dient er lediglich als chices Accessoire. Er ist als Kopfschmuck nicht zwingend notwendig. Auch filigrane Brautkrönchen, Kränze oder Blüten zieren heute das Haupt einer Braut.

Spalierstehen vor Standesamt oder Kirche

Gute Freunde, Arbeits- oder Vereinskollegen stellen sich nach der Trauung vor der Kirche oder dem Standesamt auf und bilden eine Gasse, durch die das frischgetraute Ehepaar gehen muss. Dabei wird scherzhaft, keinesfalls gewaltsam, versucht, dem Paar das Hindurchschreiten etwas zu erschweren. Gern werden beim Spalierstehen Gegenstände mit eingebaut, die an die Berufe, Hobbys oder Vorlieben des Paares erinnern. Diese können dann als Hindernisse verwendet werden, die die Eheleute gemeinsam überwinden müssen. Wenn das gut gelingt, wird das Brautpaar angeblich auch in Zukunft eventuell aufkommende Schwierigkeiten und Probleme erfolgreich meistern.

Seilspannen und Baumstammsägen

Das Baumstammsägen hat die gleiche Bedeutung wie das Spalierstehen. Ein recht stabiler Holzstamm muss nur mithilfe einer alten Handsäge durchtrennt werden. Wenn das mit vereinten Kräften geschafft wurde, gelingt es den Brautleuten auch nach der Hochzeit Probleme aus dem Weg zu räumen. Ein schöner und weitverbreiteter Brauch. Allerdings sollte die Säge nicht all zu stumpf sein, sonst gerät das Ehepaar zu sehr ins Schwitzen.  
Spannen Kinder oder Freunde nach der Trauung ein Seil vor der Kirche oder dem Standesamt, muss der Bräutigam Wegegeld zahlen und kann sich so von seinen Jugendsünden freikaufen. Eine Handvoll Kleingeld, das in die Menge hineingeworfen wird, reicht dafür völlig aus. Da kommen die Herren der Schöpfung ganz schön günstig davon ...

Das Brautpaar mit Reis bewerfen

Beim Auszug aus der Kirche oder beim Verlassen des Standesamtes wird das Ehepaar mit Reis überworfen. Diese Sitte stammt aus Asien und soll reichen Kindersegen bescheren. Alternativ können auch Konfetti oder Bonbons als bunter Regen auf das Brautpaar niedergehen. Manche Gemeinden sehen derartige Aktionen wegen der späteren Reinigung gar nicht gern. Erkundigen Sie sich deshalb im Vorfeld, ob das Reis-, bzw. Konfettiwerfen erlaubt ist.

Die Entführung der Braut

Traditionell wurde die Brautentführung veranstaltet, um die frisch Vermählte von ihrem Elternhaus zu trennen und ihr den Übergang in die neue Lebensgemeinschaft zu erleichtern. Die Entführung wird in der Regel von Freunden des Paares übernommen. Bemerkt der Bräutigam die Abwesenheit seiner Braut, muss er sich sofort, samt Brautstrauß, auf die Suche nach ihr machen. Findet er die Entführerbande, z. B. in einer Kneipe, muss er deren Zeche übernehmen. Bleibt seine Suche erfolglos, muss er seine Liebste gegen ein Lösegeld zurückkaufen. Der Brautraub ist eigentlich eine sehr amüsante Angelegenheit, unter der Voraussetzung, dass der Schabernack nicht all zu lange dauert. Zieht sich die Suche über Stunden hin, wird die Feier empfindlich gestört und sorgt für viel Unmut bei den Gästen. Generell sollte bei der Brautentführung nicht über die Stränge geschlagen werden, da das Ehepaar für die Hochzeit eh schon tief genug in die Tasche greifen muss.

Brautstrauß oder Strumpfband werfen

Dieser Brauch besagt: Die Fängerin des Brautstraußes wird die Nächste sein, die als Braut zum Altar schreitet. Dieses Highlight kann direkt nach der Trauung, nach dem Eröffnungstanz oder zur Mitternachtsstunde stattfinden. Alle ledigen Frauen stellen sich hinter der Braut im Halbkreis auf. Die wirft dann den Brautstrauß über ihre Schulter oder ihren Kopf in die Menge. Kleiner Tipp: Wenn Sie Ihren Brautstrauß als Andenken behalten möchten, dann ordern Sie für diesen Zweck einen zweiten, kleineren Strauß bei Ihrem Floristen.
Das Werfen des Strumpfbandes ist die männliche Variante des Brautstraußwerfens. Dieser Brauch stammt aus England und ist mittlerweile auch in Deutschland sehr beliebt. Klar, dass das Abnehmen des Strumpfbandes vor versammelter Mannschaft mit Johlen und Pfiffen kommentiert wird! Die Junggesellen stellen sich nun hinter dem Bräutigam auf, der ihnen das heißbegehrte Stückchen Stoff zuwirft. Der Fänger soll dann – na klar - der nächste Bräutigam sein.

Die drei „Frauennächte“ nach der Hochzeit

Zu guter Letzt wollen wir Ihnen einen strengen Brauch aus Bayern vorstellen. „Die drei Frauennächte“ waren hier lange Zeit Tradition. Die ersten drei Nächte nach der Hochzeit verbrachten die Eheleute getrennt an verschiedenen Orten. Mit diesem Brauch wurde die Jungfrau Maria geehrt und dem Ehepaar Glück und Segen versprochen. Erst nach den „drei Frauennächten“ durften Braut und Bräutigam in einem Bett schlafen.
Die Tradition in Ehren – aber manche Bräuche sind wirklich völlig überflüssig!

 

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